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Banken: KI ist noch in der Hypephase

Zum Zeitpunkt der Studienerstellung waren demnach nur weitere 12 Prozent gerade dabei, KI-Services in den Produktivbetrieb auszurollen. Das hohe Potenzial von KI und die Hoffnungen auf Mehrwerte ließen sich aber daran erkennen, dass knapp 40 Prozent der Banken und Versicherungen derzeit die Einführung von KI-Services wie Machine Learning (ML), Natural Language Processing (NLP) oder automatisierte Planungsmodelle vorbereiten würden. Das geht aus einer Studie des Analysehauses Lünendonk in Kooperation mit dem Beratungsunternehmen Q_PERIOR hervor. Befragt wurden 129 im deutschsprachigen Raum tätige Banken und Versicherungen.

Aufgrund der enormen Datenmengen, die bei Finanzdienstleistern aufliefen, sowie einer Vielzahl an Compliance- und Governance-Richtlinien in der sehr stark regulierten Finanzwirtschaft könne Machine Learning dazu beitragen, Muster in großen Datenbergen zu erkennen oder Prozesse effizienter zu steuern. NLP oder intelligente Sprachassistenten könnten darüber hinaus im Kundenservice eingesetzt werden, um Bearbeitungs- und Reaktionszeiten zu verkürzen und damit einen großen Schritt in Richtung Service Excellence zu gehen, hieß es. 

Unternehmen vor Datenflut

„Dass dennoch 41 Prozent der Banken und 40 Prozent der Versicherer KI in Zukunft für nicht relevant halten, überrascht sehr und lässt die Frage aufkommen, wie diese Unternehmen in Zukunft die Datenflut, die sich aus der Digitalisierung ihrer Prozesse ergeben wird, ohne KI-Services bewältigen wollen“, so die Studie. Die fehlende Relevanz von KI für einen großen Teil der Befragten könne damit zusammenhängen, dass vielen Führungskräften immer noch nicht klar sei, wozu sie KI einsetzen könnten. 

Anders sieht es offenbar mit dem Einsatz von Robotic Process Automation (RPA) aus. RPA sei für die breite Mehrheit der Banken und Versicherungen ein wichtiges Technologiethema. Nur 24 Prozent der befragten Banken und 37 Prozent der Versicherungen wollten sich zukünftig nicht mit Softwarerobotern beschäftigen. Unter den befragten Finanzdienstleistern befassen sich den Angaben zufolge derzeit vor allem die größeren der untersuchten Banken mit der Einführung von Robotics. Immerhin nutzen demnach bereits 31 Prozent der Banken mit einer Bilanzsumme zwischen 10 und 50 Mrd. Euro RPA im produktiven Einsatz und mehr als 50 Prozent planten mittelfristig die Einführung von RPA-Software. Dagegen hätten nur 18 Prozent der größeren Versicherungsgesellschaften bereits Robotics-Software im Produktiveinsatz, aber weitere 50 Prozent stellten derzeit auf softwaregestützte Workflows um beziehungsweise planten, dies in den nächsten Monaten zu tun. 

Data Analytics hat hohe Priorität

Die Autoren der Studie verwiesen darauf, dass durch die Digitalisierung immer mehr Daten zur Verfügung stehen – einerseits gewonnen aus digitalen Touch Points wie Apps und Online-Portalen, andererseits aber auch zunehmend aus dem Monitoring digitalisierter Prozesse. „Gleichzeitig gewinnen die Analyse von Informationen sowie datenbasierte Entscheidungsprozesse in einer volatileren und komplexeren Welt (VUCA) an Relevanz für die Unternehmenssteuerung. In diesem Zuge bauen immer mehr Unternehmen mithilfe von Selfservice BI, Cloud Computing und Data Lakes ihre Reportingprozesse um, damit sie schneller und flexibler an Steuerungskennzahlen gelangen und die Datenqualität verbessern können“, so die Experten.

Diesen Weg zu einem datengetriebenen Unternehmen scheine ein großer Teil der untersuchten Banken und Versicherungen einzuschlagen. 45 Prozent der befragten Institute führen den Angaben zufolge derzeit Data Analytics mit hoher Priorität ein, während 26 Prozent der Versicherungen Gleiches täten. Dabei liege der Anteil bei den Versicherungen, die Data-Analytics-Lösungen bereits umfassend eingeführt hätten, mit 32 Prozent etwas über dem der Banken (27 Prozent). Positiv sei weiterhin zu vermerken, dass nur ein geringer Teil der Banken (3 Prozent) und der Versicherungen (7 Prozent) sich in Zukunft nicht mit Data Analytics näher beschäftigen werde. (ud)

 

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