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Forscher: Corona könnte der europäischen KI-Forschung helfen

Die großen TechFirmen haben lange Zeit KI-Forscher aus Deutschland und Europa ins Silicon Valley gelockt. Mit der Corona-Krise könnte sich das jetzt ändern, erklärte der KI-Forscher Philipp Hennig vom deutschen Forschungskonsortium Cyber Valley im Interview mit dem Redaktionsnetzwerk Deutschland (RND). In der Pandemie habe die Mehrzahl der US-amerikanischen Unternehmen einen Einstellungsstopp verhängt oder zumindest die Zahl der Neueinstellungen deutlich reduziert. Auch bei den US-Universitäten säßen derzeit die Mittel weniger locker. Zudem sorge die andauernde Visa-Debatte dafür, „dass viele internationale Studierende doch eher noch einmal überdenken, wie verlockend es ist, in die USA zu gehen. Auf diese Weise ist für Europa eine Chance entstanden, Menschen, die sonst im Silicon Valley arbeiten würden, hierher zu locken beziehungsweise zu halten“, sagte Hennig. „Die Mittel, die die Bundesregierung jetzt zur Verfügung stellt, sind eine große Chance, wenn es gelingt, sie an der richtigen Stelle zu investieren“, fügte er hinzu.

Bei der Verwendung der zusätzlichen finanziellen Mittel müsse es darauf ankommen, neben der Infrastruktur vor allem auf Nachwuchsforscher zu setzen, so der Experte.  „Man muss jungen Menschen die Möglichkeit geben, sich einen Raum zu schaffen für neue Ideen. Auch eine ausreichend lange Förderung ist wichtig, damit sie ihre Ideen zu Ende bringen können, sie umsetzen und auch so einen wirtschaftlichen und gesellschaftlichen Impact haben können“, erklärte Henning. Er betonte zugleich, dass der Abstand zu den großen KI-Nationen wie China oder den USA

noch einzuholen sei. In Europa gebe es hierbei eine besondere Herausforderung: „Die exzellenten KI-Forscher sind in der Breite verteilt. Ein einzelner Lehrstuhl, auch wenn er sehr gut ist, hat es allerdings schwer, Sichtbarkeit zu erzeugen und genügend Studierende anzuziehen. Deswegen ist es so wichtig, dass wir, wie es jetzt ja auch geplant ist, ein europäisches Netzwerk aufbauen – und kein Zentrum.“ Notwendig sei eine europäische Plattform für Forscher.

Corona-Pandemie treibt digitalen Wandel im Gesundheitswesen voran

Laut einer aktuellen Studie treibt die Corona-Pandemie den digitalen Wandel im Gesundheitswesen so schnell voran wie seit Jahren nicht mehr. Ganz oben auf der Agenda großer Pharmaunternehmen stehe dabei der Einsatz von KI und Advanced Analytics. Um das Potenzial dieser Möglichkeiten für die Pharmaindustrie voll auszuschöpfen, müsse es laut einer Umfrage der globalen Unternehmungsberatung Kearney jedoch eine grundlegende Transformation entlang der gesamten Wertschöpfungskette geben. Nicole Damani, Partnerin und Managing Director bei dem Unternehmen, erklärte, KI könne dabei helfen, Informationen über Wettbewerber zu sammeln, zu analysieren und zu priorisieren. „Für 59 Prozent der Befragten ist die auf KI basierende Konkurrenzanalyse ein wichtiger zukünftiger Werttreiber im Vertrieb, der für Unternehmen einfach einzusetzen ist“, so Damani.

Die aktuelle Krise habe unter den globalen Pharmaunternehmen ein Wettrennen um die beste und schnellste Antwort auf die Pandemie ausgelöst, teilte das Unternehmen weiter mit. Auch die Öffentlichkeit erwarte, dass Pharmaunternehmen ihre Forschungsprozesse umstellen, um Medikamente und Impfungen in einem viel kürzeren Zeitraum als üblich zu entwickeln und einzuführen. Alternative Anwendungsmöglichkeiten für Arzneimitteln zu finden, sei dabei ein zentrales Vorgehen als Reaktion auf die Pandemie, für die in der Regel jedoch umfangreiche Tests erforderlich seien. Damani: „Die Studie zeigt, dass dies ein zentraler Anwendungsfall für Advanced Analytics ist: So können geeignete Medikamente zur alternativen Anwendung identifiziert und damit nicht zuletzt komplexe und lange Studienphasen beschleunigt werden. 82 Prozent der Befragten sehen alternative Anwendungsmöglichkeiten von Arzneimitteln als Schlüsselanwendung von Advanced Analytics in Forschung und Entwicklung.“

Zusätzlich zu laufenden Forschungs- und Entwicklungsbemühungen werde von den großen Pharmaunternehme erwartet, sorgsame Entscheidungen über den Preis und die Platzierung zukünftiger Medikamente zu treffen, hieß es weiter: „Auch hierbei können analytische Anwendungen helfen. Klar ist: Der Weg zur Erschließung des vollen Potenzials von KI und Advanced Analytics entwickelt sich weiter. Damit sie auch wirklich zum Game Changer werden, müssen sich die Organisationen anders aufstellen und einen ganzheitlichen Ansatz für Datenzugriff, -verfügbarkeit und -qualität entwickeln – auch wenn die aktuelle Krise schon jetzt ein Beschleuniger für das Prototyping von Anwendungsfällen ist“, resümierte Damani. (ud)

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