Grundlagen

Photo by Ian Battaglia on Unsplash

KI-Experte: „Computer und Roboter werden uns überlegen sein“

„Es gibt keinen Bereich, in dem der Mensch das natürliche Maximum an Intelligenz erreicht. Ich gehe davon aus, dass Computer und Roboter uns bald in fast allen Aufgabenbereichen, bei denen es um Intelligenz geht, überlegen sein werden“, prognostizierte Dayan in einem Interview mit Bundesregierung.de. Allerdings zeigten Computer momentan noch Schwächen bei vielen Aufgaben, die ein fundiertes Verständnis erforderten, etwa Textverständnis. „Sie sind nicht sehr gut darin, wirklich interessante Literatur oder Musikstücke zu kreieren“, so der Experte. Zudem seien Roboter nicht sehr gut für Aufgaben geeignet, die kontextbezogen sind und flüssige motorische Abläufe erfordern – wie etwa das Fußballspielen.

Dayan warnte in dem Gespräch zugleich davor, dass die deutsche Wirtschaft bei KI in Zukunft ins Hintertreffen gerate: „Betrachten wir die globale Landschaft, so wird deutlich, dass unser lokales Umfeld von KI-basierten Produkten und Dienstleistungen von US-amerikanischen Unternehmen dominiert wird, bei denen auch ein großer Teil des geistigen Eigentums in der Forschung angesiedelt ist.“ Die chinesische Regierung investiere hohe Summen in KI. Beide Länder, USA und China, hätten Zugriff auf sehr viel größere Datenvolumen als deutsche Unternehmen. „Hier sehe ich zwei wesentliche Herausforderungen für die deutsche Wirtschaft“, betonte er.

Dayan: „Es werden neue Berufsfelder entstehen“

Der Experte äußerte sich auch zu der Befürchtung vieler Menschen, dass ihr Arbeitsplatz durch den Einsatz von Künstlicher Intelligenz wegfallen könnte. Es gebe heute viele Berufe, die es eventuell in Zukunft nicht mehr geben werde. „So ist es immer gewesen, wenn es um technischen Fortschritt geht. Es werden allerdings auch neue Berufsfelder entstehen, die vorher nie für möglich gehalten wurden oder vorstellbar waren. Die Erfahrungen aus der Vergangenheit lehren uns, dass es wahrscheinlich mehr neue Jobs geben wird, als alte wegfallen“, erklärte Dayan.

Oft wird auch die Frage gestellt, ob KI den Menschen in der Medizin ersetzen könne. Dayan erinnerte in diesem Kontext an „Eliza“ ein frühes KI-Programm, das 1960 entwickelt wurde. „Es simulierte eine Psychotherapeutin, die eine Gesprächstherapie durchführte“, so der KI-Experte. Trotz der unübersehbaren Schwächen der Maschine, deren Antworten oft jeden Sinn entbehrten, sei berichtet worden, dass die Teilnehmer gerne mit „Eliza“ interagierten und erhebliche Erkenntnisse über ihre psychische Verfassung aus den Gesprächen gewinnen konnten.

„Obwohl also die Beziehung zwischen Arzt und Patient selbstverständlich eine große Rolle spielt, halte ich es durchaus für möglich, dass Patienten ihr Gegenüber, auch wenn es eine Maschine ist, ausreichend vermenschlichen, und so eine funktionierende Beziehung zum KI-System aufbauen“, resümierte Dayan. (ud)

Stichworte

Verwandte Artikel

Anzeige

Lexikoneinträge