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Stadt Gießen: KI soll den Nahverkehr optimieren

„Wo genau ist das Fahrzeug der Linie 3, in das ich einsteigen möchte, aktuell?“, „Schaffe ich meine Verbindung trotz kleiner Verzögerung vielleicht doch noch, weil das Anschluss-Fahrzeug noch an einer Ampel wartet?“, „Ist im Fahrzeug noch Platz für mein Fahrrad oder meinen Kinderwagen, oder lohnt es sich, auf das nächste Fahrzeug zu warten, das nur drei Minuten später kommt?“. All dies sind Fragen, die sich Kunden im Nahverkehr in Gießen wohl immer wieder stellen. In einer Kooperation zwischen den Stadtwerken Gießen und den Data Analytics-Spezialisten von Brodtmann Consulting solle eine cloudbasierte Anwendung entwickelt werden, welche ganz neue Einblicke in die Auslastung und Fahrplantreue der Stadtbusse gewähre, teilte die Stadt mit. Das Bundesministerium für Verkehr und digitale Infrastruktur fördert das Projekt den Angaben zufolge mit 354.418,00 Euro.

Wie es weiter hieß, lasse sich das Vorhaben konkret so umschreiben: vorhandene historische Daten und in Echtzeit erfasste aktuelle Daten intelligent miteinander verknüpfen, um zu prognostizieren, wann die Busse wie voll belegt sind und wie sie im Fahrplan liegen. „Wir erwarten, bereits während des laufenden Projekts viele neue Erkenntnisse zu gewinnen, wie sich die Belegung der Fahrzeuge über eine einzelne Fahrt und übergreifend über längere Zeiträume hin entwickelt“, erklärte Marc Lammerding, Datenspezialist bei Brodtmann Consulting und Projektleiter des Gesamtvorhabens. „Ultimativ können wir so nicht nur den Endkunden des Gießener Nahverkehrs ein Werkzeug zur Verfügung stellen, um ihre eigene Reise deutlich präziser und angenehmer zu planen als bisher, sondern wir liefern auch wichtige Grundlagen für weitere Forschung und Entwicklung in diesem Gebiet.“

Echtzeit-Karte des Rhein-Main-Verkehrsverbunds

Künftig schnellere und präzisere Informationen zum aktuellen Platzangebot im Nahverkehr seien nicht die einzigen Pluspunkte des Vorhabens. Die gesammelten Daten sollen demnach auch auf einer Echtzeit-Karte des Rhein-Main-Verkehrsverbunds (RMV) visualisiert werden. „Hier werden sie dann so aufbereitet und dargestellt, dass unsere Fahrgäste den öffentlichen Personennahverkehr auf ihrem Handy oder entsprechenden Monitoren an den Haltestellen in Echtzeit nachvollziehen und damit besser erleben können“, fügte Mathias Carl, Geschäftsführer der MIT.BUS GmbH, hinzu. In der Endausbaustufe solle es dann möglich sein, per App auf dem Smartphone zu schauen, wie voll der Bus zu einer bestimmten Zeit an einer bestimmen Haltestelle sei und ob er pünktlich komme.

Mit dem Projekt kommen die Stadtwerke Gießen (SWG) und MIT.BUS den Angaben zufolge erstmals aktiv mit Big Data und KI in Berührung. Ihr Partner Brodtmann Consulting könne hingegen schon längere Erfahrung auf diesem Gebiet vorweisen. Die IT-Spezialisten hätten für das Vorhaben Prognose-Algorithmen unter anderem auf Basis moderner Konzepte aus dem Bereich Machine Learning wie etwa neuronale Netze entwickelt. Lammerding: „Über cloudbasierte Rechenzentren haben wir jetzt die Möglichkeit, auch unglaublich große Datenmengen zu verarbeiten und Ergebnisse in Echtzeit verfügbar zu machen. Insgesamt fallen in einem einzigen Jahr weit über zwei Milliarden einzelne Informationen allein durch die Echtzeitdaten an. Ohne den Einsatz Künstlicher Intelligenz wäre eine sinnvolle Auswertung hier kaum zu gestalten.“ Neben der Auswertung der Daten im Rahmen des Projektes sollten auch Universitäten und Forschungseinrichtungen Zugriff erhalten, hieß es. (ud)

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