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Bildmanipulation: KI erweckt Abraham Lincoln zum Leben

Bilder bieten stets nur eine Momentaufnahme. Doch wie wäre es, wenn die Person auf einer Aufnahme plötzlich anfängt zu sprechen, noch dazu eine berühmte Persönlichkeit, die schon lange tot ist? Der Youtube-Channel Mystery Scoop macht genau das möglich. Hinter den Videos auf der Seite steckt eine KI, die bekannte historische Porträts zum Leben erweckt. Zu sehen ist etwa eine Aufnahme des früheren US-Präsidenten Abraham Lincoln, der im 19.Jahrhundert ermordet wurde. Spielt man das Video ab, sieht man, wie Lincoln plötzlich anfängt Augen und Mund zu bewegen. Die soeben noch eingefrorene Mimik weicht einem lebendigen Gesichtsausdruck: Lincoln lebt! Weitere Beispiele sind Mata Hari, Heinrich der VIII. oder römische Feldherrn. Doch wie genau funktioniert die KI? Schwarz-Weiß-Aufnahmen werden zunächst nachkoloriert. Die Algorithmen der KI errechnen die Gesichtsausdrücke: die Person lächelt, blinzelt oder schließt die Augen. 

Die Technologie ist nicht grundsätzlich neu. Deep-Fake-Videos funktionieren ganz ähnlich. Dabei handelt es sich um realistisch wirkende Aufnahmen, die durch Techniken der KI abgeändert und verfälscht worden sind. Im Grunde kann man sich Deep Fakes wie eine digitale Maske vorstellen, erläutert Klicksafe.de, eine EU-Initiative für mehr Sicherheit im Netz. Auf eine Videoaufnahme von einem Menschen setzt demnach ein Algorithmus ein neues Gesicht auf. Damit dieses Gesicht einigermaßen realistisch aussieht, benötige das verwendete Computerprogramm sehr viele Bilder von dem „neuen“ Gesicht. Je mehr Bilder das Programm zur Verfügung habe, desto besser sei das Ergebnis. Daher handele es sich bei den überzeugenderen Deep Fakes auch bisher immer um die Gesichter von bekannten Personen, von denen es frei zugänglich eine Vielzahl von Bildern gebe, hieß es. 


Kleine Fehler erkennbar
Medienberichten zufolge hat sich ein Schauspieler auf dem Videoportal TikTok per Deep Fake jetzt täuschend echt als Tom Cruise präsentiert. Die Auftritte des Deepfakers Deeptomcruise sind nur für sehr aufmerksame Beobachter als Täuschung zu erkennen. Mehr als 260.000 TikTok-Follower habe Deepfake-Cruise in den letzten Tagen hinzugewonnen, hieß es. Doch ganz sauber ist das Ergebnis nicht: Stoppt man die Aufnahmen, kann man kleine Fehler erkennen, etwa wenn ein Brillenbügel für einen kurzen Moment verschwindet. Zudem bewege sich das Gesicht des Hollywoodstars zum Teil sehr unnatürlich, da die Software versuche, die Texturen der natürlichen Gesichtsbewegung anzupassen, so das Tech-Magazin The Verge. Das sei gut erkennbar, wenn das Video langsam abgespielt werde.

Hinzu kommt: Tom Cruise ist heute 58 Jahre alt und sein Gesicht sieht deutlich älter aus als die Aufnahmen des Gesichts, die Deeptomcruise verwendet. Auch die Stimme ist nicht ganz korrekt. Dennoch: Es ist faszinierend und macht Spaß, sich die Aufnahmen anzusehen. (ud)

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