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Neue Software: KI erleichtert Abrechnungsprozess im Krankenhaus

Damit Krankenhäuser ihre Leistungen, die bei der Behandlung von Patienten anfallen, bei den Krankenkassen abrechnen können, müssen diese kodiert werden. Für die Erlössicherung der Kliniken ist dieser Prozess essenziell – er ist jedoch personalintensiv, zeitaufwendig und mitunter fehleranfällig. Das Fraunhofer-Institut für Intelligente Analyse- und Informationssysteme IAIS entwickelte gemeinsam mit der GSG Consulting GmbH die KI-gestützte Software RICO, die das Personal im Kodierprozess unterstützt. RICO sei mit höchsten Datenschutz-Standards entwickelt worden, ohne zusätzlichen Aufwand sofort betriebsbereit und befinde sich bereits in mehreren Krankenhäusern im Einsatz, teilte das Institut am Dienstag mit.

Für die Klassifikation von Krankenhausleistungen existieren den Angaben zufolge tausende Codes für Diagnosen (ICD) und Behandlungen (OPS). Für alle Patienten müssten sie ausgewählt und mit Nachweisen belegt werden – ein Prozess, der für viele Krankenhäuser eine organisatorische Herausforderung darstelle. Die korrekte und vollständige Kodierung von Diagnose- und Leistungsinformationen sei für die Erlössicherung der Kliniken jedoch essenziell, denn nur so könnten ihre Aufwendungen mit den Krankenkassen abgerechnet werden, hieß es.

Die auf KI basierende Kodierunterstützungssoftware RICO vereinfache den Prozess erheblich und setze ihn prüfungssicher um. Die Software sei ein Hybrid-System, welches aus zwei zentralen, sich ergänzenden Komponenten bestehe, hieß es. Die erste Komponente bestehe aus KI-basierten Modellen, die eigens für die Software entwickelt worden seien. Alle digital vorhandenen Dokumente sowie aktuell vorhandene Fallkodierungsinformationen aus Krankenhausinformationssystemen würden vom System automatisch importiert. Die zweite Komponente der Software verbinde das kontextuelle Textverständnis mit medizinischem Wissen in Form von Regelwerken. Dazu gehörten etwa alle Behandlungs- und Krankheitscodes oder das deutsche Arzneimittelverzeichnis „Rote Liste“, hieß es.

Keine Tippfehler mehr

Durch die kontextuelle Dokumentenanalyse der KI mit Vorschlagsverfahren für Abrechnungscodes gehören demnach Probleme wie Tippfehler und synonym verwendete Formulierungen der Vergangenheit an: Nahezu alle Krankheits- und Behandlungsformen seien in unterschiedlichsten Schreibweisen im System integriert. Beide Komponenten seien eng verzahnt und arbeiteten zusammen, um dem Kodierpersonal – also den Klinik-Mitarbeitenden, die für die Kodierung verantwortlich seien – hochwertige Informationen zur Verfügung zu stellen. RICO sei die erste Software, die dazu in diesem Umfang in der Lage sei und gehe damit weiter als die aktuellen, rein regelbasierten Systeme.

Die integrierte KI mit ihrem kontextuellen medizinischen Textverständnis, das Annotationstool sowie das medizinische Regelwerk seien ein lernendes System, das mit der Zeit immer besser werde, hieß es weiter. Dafür werde ein zentrales Modell trainiert, periodisch aktualisiert und als Update an die Modelle in den Krankenhäusern eingespielt. Während des gesamten Lernprozesses flössen keine Daten – schon gar keine personenbezogenen Informationen – sondern es würden in bestimmten Intervallen nur Modelle zwischen den Krankenhäusern ausgetauscht. Dadurch sei das Kodierpersonal in der Lage, neue medizinische Behandlungsspektren, die vorher nicht erbracht worden seien, sofort mit RICO in der Krankenhaus-Abrechnung umzusetzen, hieß es. (ud)

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