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Studie: Deutsche Unternehmen fremdeln mit Robo Advisors

Vor Jahren wäre es undenkbar gewesen, die Verwaltung und Anlagestrategie eines Vermögens einem Computer anvertrauen. Doch heutzutage ist das kein Problem: Robo Advisors werden von Finanzdienstleistern eingesetzt, um kleine Depots kostengünstig zu verwalten. Mit Hilfe der Technologie können Vorschläge meistens direkt und automatisiert für den Kunden umgesetzt werden. Doch ungeachtet der großen Vorteile sind Unternehmen in Deutschland immer noch zurückhaltend beim Gebrauch von Robo Advisors für die Beratung im Verkauf. Nur 16 Prozent der Entscheider sehen großes Potenzial im Einsatz digitaler Vertriebsmitarbeiter. 31 Prozent halten derzeit gar nichts von der Technologie. Das sind die zentralen Ergebnisse einer aktuellen Studie der Management- und Technologieberatung Sopra Steria und dem F.A.Z.-Institut.

Etwas weiter beim Einsatz virtueller Berater seien die Finanzdienstleister, hieß es. 23 Prozent der Entscheider von Banken und Versicherern sähen großes, 40 Prozent zumindest ein geringes Potenzial. Vor allem Banken verfolgen demnach Ansätze, das Geschäftsfeld Wertpapierberatung im Retail-Banking profitabel zu gestalten. Derzeit halte sich das von digitalen Finanzberatern verwaltete Vermögen allerdings in Grenzen.

Versicherer hätten es hingegen schwerer als Banken, Einsatzgebiete für Robo Advisors zu finden. Die ausführliche Analyse sämtlicher aktueller Policen, inklusive einer qualifizierten Beratung, ob Deckungslücken oder Doppelversicherungen vorliegen, gilt den Experten zufolge als noch zu komplex für Robo Advisors. Bei Sachversicherungsfragen kämen künstlich-intelligente Helfer zudem bei den sich von Anbieter zu Anbieter stark unterscheidenden Versicherungsbedingungen an ihre Grenzen. Andere Branchen fremdeln der Studie zufolge ebenfalls mit der Idee, ihre Kunden in Kaufsituationen komplett einem virtuellen Verkäufer zu überlassen. In der öffentlichen Verwaltung sowie bei Energieversorgern sähen derzeit nur neun Prozent der Entscheider nützliche Anwendungsgebiete.

Verbesserung des Kundenservices gewünscht

Ein größeres Augenmerk legen die Anbieter laut Studie auf die Verbesserung des Kundenservices durch Chatbots. Digitale Assistenten als Ersthelfer für Standardfragen fänden mehr Anklang bei den befragten Entscheidern. 22 Prozent könnten sich große Entlastungen und deutlich schnelleren Service durch den Einsatz von Chatbots vorstellen. 37 Prozent gingen von spürbaren Verbesserungen aus. Die Tätigkeiten der Chatbots im Kundenservice seien standardisierter und einfacher als die eines Robo Advisors im Verkauf. Unternehmen versprächen sich hier spürbar schnellere Verbesserungen als mit dem Einsatz digitaler Berater für komplexe Verkaufssituationen.

Die meisten Firmen, so die Studie, versprächen sich Mehrwerte von der Unterstützung ihrer Berater durch Künstliche Intelligenz (KI). Algorithmen sollen die Mitarbeiter demnach mit Fakten versorgen, um Kunden schneller und genauer helfen zu können. 42 Prozent der Befragten sähen im so genannten Hidden Support ein großes Potenzial. Jeder dritte Entscheider verspreche sich mehr Möglichkeiten, genauere Kundenprofile zu erstellen und so die Ansprache stärker zu personalisieren, hieß es. (ud)

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