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Studie: Deutschen bereitet Definition von KI Probleme

Künstliche Intelligenz (KI) ist Menschen in Deutschland als Begriff zwar geläufig, aber offenbar nur wenig mit konkreten Inhalten gefüllt. „Viele kennen den Begriff und können ihn in den Bereich der digitalen Welt einordnen. Viel weiter geht das Begriffsverständnis aber nicht. Was KI genau bedeutet, scheint vielfach unklar“, so eine aktuelle Studie des Meinungsforschungsinstitut Ipsos im Auftrag der Konrad-Adenauer-Stiftung. Über alle untersuchten Gruppen hinweg gibt es demnach Wissenslücken: Von einzelnen Ausnahmen abgesehen, bereite die Definition von KI Schwierigkeiten. Die Studienteilnehmer hätten KI eher stichpunktartig beschrieben, oft mit geringem Wissen, das zudem nicht selten aus Schlagworten bestanden habe. Die Begriffe „Algorithmus“ und „Digitalisierung“ wurden den Angaben zufolge häufig genannt. Insgesamt sei die Abgrenzung der Begriffe aber nicht gelungen. „Welche Unterschiede, Beziehungen oder Prozesse sich hinter diesen Begriffen verbergen, blieb diffus – vor allem unter Geringgebildeten. Aber auch unter Hochgebildeten und Technikaffinen bestanden Unklarheiten, hinter welchen Prozessen sich bereits KI-Technologie verbirgt und hinter welchen nicht“, so die Untersuchung.

Bildung und Technikaffinität seien hingegen erwartungsgemäß entscheidend, wenn es um konkrete Anwendungsbeispiele von KI und die Spiegelung des aktuellen Forschungsstandes gehe. Je niedriger die Bildung, desto eher konzentriere sich der Wissensstand auf die Anwendungsaspekte von KI. Tatsächlich seien Sprachassistenten wie Alexa oder Siri fester Bestandteil des Alltags vieler Menschen geworden, zumindest sind sie der Analyse zufolge allen ein Begriff, unabhängig von Technikaffinität und Bildungsgrad. Ähnlich verhalte es sich mit dem Einsatz von KI im Bereich Mobilität: Insbesondere der Begriff des autonomen Fahrens war demnach in allen befragten Gruppen bekannt. Der Wissensstand zu KI nehme mit höherer Bildung und Technikaffinität zu und finde in einer „elaborierteren Art und Weise“ seinen Ausdruck. Konkrete Anwendungsbeispiele über die Bereiche Smart Assistents und Mobilität hinaus waren demnach häufiger bekannt, und die Funktionalität von KI konnte der Studie zufolge beispielhaft beschrieben werden.


Angst und Hoffnungen
Die Gedanken zu einer zukünftigen Welt mit KI seien in den untersuchten Gruppen sehr unterschiedlich gewesen, hieß es weiter. Auch in Bezug auf verschiedene Lebensbereiche ergaben sich demzufolge verschiedene KI-Visionen. „Auf der einen Seite wurde von vielen eine paradiesische Lebenswelt projiziert, in der alle Menschen in Zufriedenheit und Einklang leben und ihre Freizeit nach Belieben gestalten könnten. Andererseits wurde eine dystopische, düstere Zukunftsvision geschildert, in der KI die vollständige soziale Gleichschaltung auf Kosten der freien Entfaltung des Menschen bewirke“, hieß es. Diese gegensätzlichen Visionen seien nicht nur mit unterschiedlichen Erwartungen an die technische Entwicklung der KI einhergegangen, sondern sehr stark auch mit dem Vertrauen bzw. Misstrauen in die gesellschaftliche Kontroll- und Steuerungsfähigkeit der Technologie, hieß es.

Überwiegend schienen die Befragten laut der Studie von den Kontrollmöglichkeiten und -fähigkeiten bei den bisher eingesetzten KI-Techniken überzeugt. Insgesamt seien mehr Chancen als Risiken im Einsatz von KI gesehen worden. Allerdings seien auch Risikobefürchtungen sehr verbreitet gewesen, so die Studie. „Während die Folgen von KI für die Gesellschaft und die Kriminalitätsbekämpfung eher kritisch gesehen wurden, dominierten für die Bereiche Mobilität und Gesundheit die positiven Erwartungen. Die Auswirkungen von KI auf die Wirtschaft wurden ambivalent bewertet: mit vielen Risiken, aber auch vielen Chancen.“


Größte Akzeptanz in der Mobilität
Zu den positiv besetzten Bereichen gehörte laut der Studie KI in der Mobilität. Der Einsatz von KI in der Fortbewegung war demnach wenig polarisierend, insbesondere wenn es sich um sogenannte Assistenzsysteme wie beispielsweise Spurassistenten oder automatische Abstandsregulatoren handele. Hier sei deutlich die Chance gesehen geworden, die Sicherheit im Straßenverkehr zu verbessern und Unfälle aufgrund fehlender Aufmerksamkeit zu verhindern. Im Bereich Mobilität herrschte demnach das Gefühl vor, man habe die Technik im Griff, könne sie kontrollieren, sei ihr nicht ausgeliefert und verliere nicht die Steuerungsmacht. Einige technische Unterstützungen dürften den Befragten auch bekannt gewesen sein, wie etwa Einparkassistenten. „So gab es positive Erfahrungen, die Akzeptanz schafften. KI (im weiteren Sinne) im Auto war für viele direkt oder über Hörensagen erfahrbar. Die Vertrautheit mit einzelnen ersten Anwendungen von KI machte es leichter, KI im Bereich der Mobilität insgesamt zu vertrauen“, hieß es.

Im Bereich Gesundheit seien – wie bei der Mobilität – mehr Chancen als Risiken durch KI gesehen. „Sowohl in der Medizin als auch in der Pflege wurde der Einsatz von KI als Assistenzsystem, das den Menschen unterstützt, befürwortet.“ Allerdings dürfe der Einsatz von KI nicht zu weit gehen. „Ersetzt KI den Menschen vollständig, überwiegt die Ablehnung. Wie bei der Mobilität kippte auch im Bereich Gesundheit die Zustimmung zu KI, sobald Unterstützungs- und Hilfsfunktionen als dominierend empfunden werden.“ 

Bemängelt werde von vielen Befragten, dass KI nicht ausreichend in den Medien thematisiert werde, hieß es weiter. Die ausführliche Medienberichterstattung in den letzten Jahren, insbesondere in den Wirtschafts- und Wissenschaftsressorts, aber auch in den Politikressorts, sei für diese breitere Zielgruppe offensichtlich nicht ausreichend interessant. (ud)
 

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